Menschen mit Behinderung

St.-Suitbert-Haus

Inventar

Als die gelernte Kinderpflegerin anfing, "da war das Haus so wie es heute ist nicht existent. Zwei Trakte waren noch nicht umgebaut, sondern eine Bauruine mit Brettern vor den Fenstern. Auch die Außenanlagen waren noch nicht angelegt. In dem bewohnten Trakt gab es Zweibettzimmer und Stationsbäder." 

Auch die Struktur war eine andere. "Es gab noch keine Wohngruppen, sondern einen Frauen- und einen Männerbereich. Ich habe zum Beispiel im Frauenbereich angefangen." Auch für Rollstuhlfahrer war das Haus damals nicht geeignet. "Fahrstühle und Barrierefreiheit kamen erst später."

Aber nicht nur die baulichen Veränderungen hat Heidi Keßels erlebt und begleitet. "Im Zusammenleben hat sich viel getan, sowohl mit den Bewohnern, als auch mit den Kolleginnen und Kollegen." Früher habe es zum Beispiel keine Teilzeitstellen gegeben. "Wir hörten morgens auf zu arbeiten, fuhren nach Haus und kamen mittags wieder. Abends haben wir gemeinsam gekocht, Gesellschaftsspiele gespielt und die Nachtschichten miteinander verbracht. Auch die Ehepartner wurden mit einbezogen, kamen für ein Spiel vorbei oder fuhren mit auf die Freizeiten." Kurzum: Es war sehr familiär.

"Als meine zwei Kinder auf die Welt kamen, musste ich dann allerdings eine Pause einlegen, da es nur die Vollzeitstellen gab." Von 1987 bis 2004 dauerte diese Pause. "Dann ging alles recht schnell. Ich hatte mich zwar auch in Kindergärten beworben, aber innerhalb von 14 Tagen stand fest, ich kann wieder im St.-Suitbert-Haus arbeiten. Und es war, als wäre ich nie weg gewesen."

Viele der Bewohner von früher waren noch da, die Abläufe noch bekannt. "Verändert hat sich aber der Pflegeaufwand. Wir sind alle miteinander älter geworden. Die Bewohner brauchen nun viel mehr Unterstützung. Früher haben wir zum Beispiel viel mit den Bewohnern gespielt, gebastelt, gestrickt und so weiter. Heute fehlt mir die Zeit, in Ruhe einen Pullover mit einem Bewohner zur stricken, denn diese Zeit steckt in der Pflege. Da wünsche ich mir manches mal einfach mehr Zeit." Auch der Dokumentationsaufwand ist wesentlich aufwendiger geworden.

Getrennte Männer- und Frauenbereiche gibt es nicht mehr. Mit den Außenwohngruppen in der Horster Straße, Kirchstraße, Schroerstraße, Wiesenstraße und Tilsiter Straße sind viele Umzüge im Rahmen der Dezentralisierung erfolgt. Inklusion und größtmögliche Förderung der Eigeninitiative bestimmen die Ausrichtung der täglichen Arbeit. Auch die verbliebenen zwei Wohngruppen werden das St.-Suitbert-Haus verlassen, um in Außenwohngruppen mitten in einem Gladbecker Stadtteil zu leben.

Nicht verändert hat sich die Feierfreude der Bewohner und Mitarbeiter. "Karneval ist zum Beispiel jedes Jahr ein Highlight bei uns", sagt Heidi Keßels lachend. Silvester, das alljährliche Jubiläumsfest und das Sommerfest vor den Betriebsferien der Werkstätten gehören zum Inventar. Alle zwei Jahre findet ein großer Tag der offenen Tür mit vielen Angeboten statt. Auch die Freizeiten sorgen für Abenteuer und Abwechslung. "Heute Morgen ist zum Beispiel eine Gruppe nach Mallorca losgeflogen", verrät Heidi Keßels.

Wie es wird, wenn die Tür des St.-Suitbert-Hauses tatsächlich abgeschlossen wird, das weiß Heidi Keßels noch nicht. "Vielleicht bin ich dann traurig. Vielleicht auch nicht, weil es einfach eine schöne und runde Zeit war. Mal sehen."

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