Sucht

Ambulante Rehabilitation

Jubiläum des Therapieverbundes Bottrop/Gladbeck

Er besteht aus dem Gesundheitsamt Bottrop, dem St. Antonius-Krankenhaus Bottrop-Kirchhellen und dem Caritasverband Gladbeck. Was als Pionierarbeit begann, ist heute für Betroffene ein wichtiger Baustein für einen Weg aus der Suchterkrankung.

"Ohne die Ambulante Rehabilitation würde ich heute nicht hier stehen und als Betroffener zu Ihnen sprechen", leitete Dr. Michael Roßbach seinen Vortrag im Kammerkonzertsaal des August Everding Kulturzentrums in Bottrop ein. Der Ansatz, Therapie und Rehabilitation nach einer stationären Entwöhnung nicht im "geschützten" Rahmen einer Klinik anzubieten, sondern integriert in den Alltag der betroffenen Menschen, ist nicht für jeden passend. Bei entsprechender Motivation und Abstinenzfähigkeit ist er jedoch eine nachhaltige Hilfe, um "wieder in der Nordsee zu schwimmen, und nicht nur im Nichtschwimmerbecken unserer Kliniken", so Gudrun Niewendick von der Fachklinik St. Camillushaus, Duisburg-Walsum.

Die Hauptreferentin der Jubiläumsfeier, die eher einem Fachforum mit angeregter Diskussion glich, betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung des individuellen Settings, das jeder suchtkranke Mensch für seinen Weg zu Abstinenz und Gesundheit benötige. "Befindlichkeits- und Abstinenzabfragen, die wir immer ein Jahr nach Beendigung einer Ambulanten Reha durchführen, ergeben regelmäßig Anteile von 80 bis 90 Prozent Teilnehmer, die abstinent leben und sich gesund fühlen", so Simone Steffens vom Gesundheitsamt Bottrop und Anne Bögemann von der psychosozialen Beratungsstelle des Caritasverband Gladbeck.

"Wir verstehen eigentlich erst seit zehn bis 15 Jahren mehr über die biochemischen Abläufe im Gehirn bei einer Suchterkrankung", so Gudrun Niewendick. Bildgebende Verfahren, wie insbesondere das MRT (Magnetresonanztomographie), haben zu wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt, die die therapeutischen Verfahren massiv beeinflusst haben. Dachte man früher, der Weg aus der Sucht hänge insbesondere vom Willen ab, so weiß man heute, dass Belohnungssysteme in sehr tiefliegenden und hinsichtlich ihrer Prägung "alten" Hirnregionen der Schlüssel für Suchterkrankungen sind.

"Unser Jubiläum muss daher auch Anlass sein, weiter Tabus abzubauen und aufzuklären über eine Erkrankung, die erst vor gut 50 Jahren als solche in Deutschland überhaupt anerkannt wurde", betonen Dr. Astrid Danneberg vom Gesundheitsamt Bottrop und Eva Schweer, leitende Psychologin im St. Antonius-Krankenhaus. Raffaela Wenk vom Gesundheitsamt Bottrop und Heike Kerber von der Beratungsstelle der Caritas in Gladbeck machten in ihrem Beitrag deshalb ebenso deutlich, wie wichtig Nachsorge, Angehörigenarbeit und die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern des Kreuzbundes und anderer Selbsthilfegruppen ist.

Zurück