Mehr als ein Lippenbekenntnis
Es war der letzte von fünf Neubauten im Rahmen der Dezentralisierung des St.-Suitbert-Hauses. "Aber so ist es mit Plänen und Projekten, es warten immer neue Herausforderungen, die gelöst werden wollen. In diesem Fall waren es vor allem das Finden geeigneter Grundstücke und steigende Baukosten aufgrund der zahlreichen internationalen Krisen."
"Wohnen 2015" - das war der Titel, unter dem der Caritasverband im Jahr 2008 die vollständige Dezentralisierung des St.-Suitbert-Hauses ankündigte. Entstanden ist daraus nun der SUI-Wohnverbund. Auf den Weg gemacht, Menschen mit Behinderung in die Mitte der Stadtgesellschaft zu holen, hatte sich der Verband schon deutlich früher. Die Wohngemeinschaften in der Tilsiter Straße und in der Wiesenstraße bestanden zu dem Zeitpunkt bereits und zeigten, wie wichtig und grundlegend Leben mitten im Quartier für eine gelingende gesellschaftliche Teilhabe und größtmögliche Selbstständigkeit ist.
Dies betonte auch der damalige Caritasdirektor Josef Schliemann, der in einer kleiner Talkrunde bei der Veranstaltung auf die Anfänge des Projekts zurückblickte. "Ich würde nicht sagen, dass es ein Abenteuer war. Aber es war eine große Herausforderung. Wir haben viel gerechnet und innovativ gedacht." Den damaligen Leiter des Geschäftsbereichs Behindertenhilfe und späteren Vorstand des Caritasverbandes, Rainer Knubben, bezeichnete er als geistigen Vater des Projekts. "Es war ihm ein Anliegen, Menschen mit Behinderung weg vom Stadtrand hinein in unsere Mitte zu holen."
Wie sich die Möglichkeiten der Teilhabe durch die Wohngruppen in den Stadtteilen verbessert haben, erzählte Vanessa Koselowski vom Bewohnerbeirat. "Die Zimmer sind schön, groß und hell. Alles ist barrierefrei, zum Beispiel können die Waschbecken mit dem Rollstuhl unterfahren werden oder die Rollos sind elektrisch. Man kann einfach los und einkaufen gehen, weil der Supermarkt oder die Innenstadt nah sind."
Auch Einrichtungsleiterin Barbara Nolte bestätigte die größeren Möglichkeiten der Teilhabe: "Für unsere Mitarbeiter ist es leichter geworden, spontane Aktionen in den Alltag zu integrieren, weil vieles fußläufig erreichbar ist." Herausforderungen gebe es eher in der Arbeitsorganisation. "Wir haben als SUI-Wohnverbund sieben Wohngruppen über das Stadtgebiet verteilt. Wenn mehrere Mitarbeiter zeitgleich erkrankt sind, ist es natürlich schwerer, das aufzufangen, wenn man nicht mehr unter einem Dach in einem großen Haus zusammen ist."
Die Caritas-Vorstände Susanne Middendorf und Benedikt Menke betonten, dass mit dem Projekt der Dezentralisierung nun zwar eine Herausforderung gemeistert sei, weitere aber bereits warten würden. "Wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen, sagt sehr viel aus. Wir beobachten mit großer Sorge, was wieder sagbar geworden ist. Der Schutz der Würde jedes Menschen ist unsere Aufgabe als Caritas, das entspricht unserem christlichen Menschenbild. Wir werden uns künftig noch mehr dafür einsetzen müssen, dass jeder Mensch die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe hat." Propst Thomas Zander ergänzte während der Einsegnung: "Teilhabe hat keinen Endpunkt, sie ist ein Prozess, den wir gemeinsam gehen."
Auch Bürgermeisterin Bettina Weist bezeichnete den SUI-Wohnverbund als klares Bekenntnis dafür, dass Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft gehörten. "Selbstbestimmt, unterstützt und inklusiv, der Wohnverbund trägt diesen Anspruch in sich und in den Alltag. Wir sind eine Stadt, in der Toleranz und Vielfalt nicht nur ein Lippenbekenntnis sind."
