Menschen mit Behinderung

Werkstätten

Vom Schichtwechsel zum Sichtwechsel

Gelsenkirchen/Gladbeck. Einen Tag tauschen, sich in die Arbeitswelt des anderen begeben und erleben, wie diese funktioniert. Das ist der Gedanke hinter der bundesweiten Aktion "Schichtwechsel" der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM). Die Sozialwerk St. Georg Werkstätten gGmbH und die Caritas-Werkstätten in Gladbeck haben sich beteiligt. Insgesamt haben 20 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz getauscht.

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"Dabei geht es uns vor allem darum, die Klischees in den Köpfen aufzulösen", sagt Adrian van Eyk, Geschäftsführer der Werkstätten des Sozialwerks St. Georg in Gelsenkirchen. "Bei uns werden nicht nur einfachste und stumpfe Arbeitsgänge verrichtet." Das erlebten die ebenfalls 20 Tauschpartner von Unternehmen und Behörden live. Anastasia Paponja war eine von ihnen. Sonst arbeitet sie in der Gastronomie des Wasserschlosses Wittringen. Nun tauschte sie ihre Schicht und half in der Küche und Kantine der Caritas-Werkstatt in der Mühlenstraße, in der ebenfalls Menschen mit Behinderung mitarbeiten. "Ich war überrascht, wie gut und schnell die mehr als 150 Mittagessen hier ausgegeben wurden. Dabei kannten die Beschäftigten sogar alle Namen, wussten, wer wie viele Kartoffeln mag oder wer lieber weniger Beilage hat."

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Überrascht von dem vielfältigen Leistungsspektrum der Werkstätten zeigte sich auch der Erste Beigeordnete und Sozialdezernent der Stadt Gladbeck, Rainer Weichelt, der den Schichtwechsel-Teilnehmern einen Besuch abstattete: "Dass hier nach Kundenvorgaben an modernen Maschinen zum Beispiel Metallteile gefertigt werden, die wiederum in weiteren Maschinen verbaut werden, ist vielen wohl nicht bekannt. Oft werden Werkstätten eher mit gebastelten Produkten in Verbindung gebracht."

Dabei ist das Arbeitsangebot der Werkstätten breit gefächert und reicht von der Metallverarbeitung, Elektromontage, Textilverarbeitung, Fahrzeugpflege, Garten- und Landschaftsbau bis hin zur Mediengestaltung und zum Druck. "Werkstätten sind Dienstleistungsunternehmen, die für ihre Kunden passgenau arbeiten", sagt Benedikt Maas, Leiter der Caritas-Werkstätten in Gladbeck. "Zugleich ist es unser Auftrag, die uns anvertrauten Menschen individuell zu begleiten und zu fördern. Daher gibt es neben der Arbeit in den einzelnen Bereichen noch zahlreiche begleitende Angebote. Vergangenen Sommer haben wir beispielsweise zwei Bienenstöcke auf unserem Gelände angesiedelt, die nun von den Beschäftigten betreut und gepflegt werden."

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Ein weiterer Gedanke prägt den Aktionstag: "Für unsere Beschäftigten ist es wertvoll, die Berufsfelder des ersten Arbeitsmarktes kennenzulernen", so Adrian van Eyk. "Der Tag soll ihnen nicht nur Eindrücke verschaffen, sondern auch Wege und Kontakte ermöglichen. Denn im Sinne der Inklusion arbeiten wir verstärkt daran, den Beschäftigten Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten anbieten zu können", ergänzt Benedikt Maas.  

Die Gelsenkirchener Werkstätten des Sozialwerks St. Georg

Der Unternehmensbereich Sozialwerk St. Georg Werkstätten gGmbH ist seit 1986 anerkannte Werkstatt für behinderte  Menschen in Gelsenkirchen. Zurzeit nehmen über 600 Beschäftigte und Teilnehmer mit Assistenzbedarf an Maßnahmen zur Eingliederung in das Berufsleben teil. Als Einrichtung zur sozialen und beruflichen Rehabilitation ist es Aufgabe der Werkstatt, Menschen mit Assistenzbedarf beruflich zu bilden und ihnen Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Dabei ist es das Anliegen, ihre Leistungs- und Erwerbsfähigkeit zu erhalten und zu erhöhen, ihre Persönlichkeit weiter zu entwickeln und den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch entsprechende Maßnahmen zu fördern.
Folgende Standorte befinden sich in Gelsenkirchen:

    Emscher-Werkstatt - Emscherstraße 41 - 45891 Gelsenkirchen
    Café Lebensart - Theodor-Otte-Straße 152 - 45897 Gelsenkirchen
    Fahrzeugservice - Theodor-Otte-Straße 152 - 45897 Gelsenkirchen
    Werkstatt für Menschen mit Autismus - Uechtingstraße 81 - 45881 Gelsenkirchen

Caritas-Werkstätten Gladbeck

Bereits Ende der 1960er Jahre wurden in Trägerschaft des Caritasverbandes Gladbeck Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen. Heute finden an zwei Standorten in Gladbeck mehr als 350 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen einen Arbeitsplatz, der ihren Wünschen und Fähigkeiten entspricht.

Im Laufe der Jahrzehnte haben die Caritaswerkstätten dabei einen weiten Weg zurückgelegt: Von der "beschützenden Werkstätte" hin zu einem Unternehmen, das berufliche Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben in den Vordergrund stellt, um dadurch die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu fördern. Der Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten der Werkstätten ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Daneben stehen Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten und in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes zur Verfügung.

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